ZENTRIERT IM AUßEN
Die Kalathari-Massage nach Sanzenbacher
von Prakash Frank Sanzenbacher
Die Kalathari-Massage begreift sich als integrative, somato-energetische Behandlungsform. In ihr trifft das Menschenbild der aus dem
Yoga stammenden Traditionellen Thailändischen Massage (Nuad) auf die Erkenntnisse moderner westlicher Körpertherapie. Sensitives
Arbeiten an dem subtilen Energiesystem des Menschen verbindet sich mit expliziter Tiefengewebsmassage anatomischer Stukturen.
Diese Synthese gewährleistet unserer ureigensten Lebenskraft, sich sowohl im Körper fest zu verankern, als auch unser Bio-Energie-
Feld rein und ungehindert zu durchstömen.
In der Anatomie des Yoga gibt es neben dem physichen Körper noch vier weitere Körper (Koshas), die verschiedenen Aspekten unseres
Daseins entsprechen. Die Kalathari-Massage spricht hier vom Energie-, Persönlichkeits-, Bewußtseins- und kosmischen Körper. Der
Eintritt der uns alle umgebenden universellen Energie in unseren physischen Körper und die Rückgabe dieser Kraft (individuelle
Energie) durch sämtliche Körpersphären zurück an Kosmos ist der grundlegendste Kreislauf alles Lebendigen. In unserer stofflichen
Inkarnation erfolgt dieser Eintritt durch das Nabelzentrum, von wo aus die Energie ihren Weg findet durch bestimmte Kanäle. In der
Chinesischen Medizin werden sie als Meridiane bezeichnet, im Yoga als Nadis. Nuad spricht hier von zehn Hauptenergielinien, den Sen,
die alle im oder um den Nabel herum entspringen und jeweils zu einer Stelle unseres Körpers ziehen, durch die wir in Kontakt treten
können mit unserer Umwelt. Dies sind vor allen die Sinnesorgane (Wahrnehmen), der Mund (Essen, Atmen, Kommunizieren), Hände und
Füße (Bewegen, Handeln, Gestalten) sowie die Öffnungen für Ausscheidung und Sexualität.
Eine dieser Linien, der Sen Kalathari, entspringt direkt im Nabel und teilt sich auf in vier Äste, zwei Arm- und zwei Beinlinien. Die
Beinlinien ziehen jeweils über die Leiste und die Innenseite der Beine bis sie die Fußsohle erreichen. An der Basis der
Fußwurzelknochen teilen sie sich in fünf Strahlen und enden an den Zehenspitzen. Die Armlinien ziehen quer über die Brust zum
Schultergelenk und über die Arminnenseite bis zu der Basis der Handwurzel. Von hier erreicht sie in fünf Strahlen die Fingerspitzen.
Diese Linie steht für Bewegung, Handlungsfähigkeit, Verhalten(sweisen) und Einflußnahme auf Geschehnisse in unserem Umfeld. Über
die Art und Weise wie wir mit der Welt in Interaktion treten gelangt die individuelle Energie zurück zu ihrem Ursprung, dem Kosmos. Ein
offener Kanal ist die Grundvoraussetzung für ein authentisches, eigen(!)verantwortliches Tun frei von intellektuellen Hinterfragungen
(Kopfzentrum), emotionalem Verstricktsein (Herzzentrum) oder biologischer Triebreflexen (Sexzentrum). Nuad nennt diese Linie den
"psycho-emotionalen Sen". Ihm und auch der gesamten Körpermittellinie (Chakren-Kette) widmet sich die Kalathari-Massage.
Energielinienarbeit (Akupressur, Dehnung und Entwirren des Energieflusses) verbindet sich dabei mit achtsam einschmelzender
Tiefenmassage der umgebenden somatischen Strukturen. Vor allem dem Bauchraum, dem Becken und der Brust wird viel
Aufmerksamkeit geschenkt. Die großen Gelenke (Schultern/Hüften) werden für ihre volle Bewegungsfreiheit geöffnet und über die an
den Innenseiten der Extremitäten gelegenen Muskeln, Nerven und Gefäße wird die Sensibilität der Hände und Füße genährt.
Behandelt wird also vornehmlich die empfindsame, verletzlichere Körpervorderseite. Diese Region eignet sich besonders gut um das
menschliche Biosystem zu öffnen für eine autarke Energieversorgung und die aktive Anteilnahme an den Prozessen des Lebens.
In der Kalathari-Massage wird davon ausgegangen, daß unser Energiefluß hauptsächlich beeinträchtigt wird durch
Vermeidungshaltungen gegenüber Intensität und Intimität. Starke Empfindungen werden dann von vornherein als Schmerz
wahrgenommen und Nähe als Bedrohung empfunden. Dadurch begeben wir uns leicht in eine selbstauferlegte
“Sicherheitsverwahrung” und wir schirmen uns zu sehr ab von unserem Umfeld. Die primären Herde dieses Spannungsaufbaus
befinden sich zu allermeist an der Körpervorderseite, von wo aus er sich generalisieren kann. (Tatsächlich sind z.B. Rückenschmerzen
und Schulter-Nacken-Verspannungen oft nur der reaktive Gegenhalt dieser primären vorderseitigen Spannungsherde und sollten auf
lange Sicht nie isoliert betrachtet bzw. behandelt werden.) Eine derartige Organisation unseres Energiehaushaltes entspricht nicht dem
natürlichen Entfaltungspotential, das einem jedem von uns mitgegeben ist. Mit dem teilweise intensiven und manchmal auch intimen
Charakter ihrer Berührungen entlang des Sen Kalathari erschließt diese Massageform die eigentlichen Kraftquellen des Menchen wie
Offensein, Vertrauen, Hingabe und Körpersinnlichkeit.
Die Kalathari-Massage zentriert den Menschen in seiner Mitte und stärkt diese als primären Impulsgeber zur Daseinsgestaltung. Sie
unterstützt uns dabei, Lebensprozesse anzunehmen und selbstbestimmt darauf zu reagieren und regt dazu an, den Mut und die Lust
aufzubringen, unser ureigenes Kraftpotential in diese Welt mit einzubringen.
© Prakash Frank Sanzenbacher 2008
gekürzt erschienen in dem Magazin
DIE KUNST ZU LEBEN - Der südbayerische Anzeiger für Gesundheit, Kreativität und Lebensfreude
Nr. 4/2008, Oktober 2008 - Edition Claudia Meißner, Siggenhofen
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