Diese aus der indischen Yoga-Tradition hervorgegangene Massage (thail.:  Nuad) zeichnet sich aus durch eine Verbindung von rhythmischer Akupressur  und Dehnungspositionen. Nuad Sen orientiert sich dabei weniger an der  Anatomie als vielmehr an den Energiekanälen (=Sen), über die unser physischer  Körper in Verbindung steht mit seinen Energiekörpern und somit zur  universellen Lebenskraft (=Prana).  Ursprünglich von buddhistischen Tempelmönchen ausgeübt, um den Körper für die ausgiebigen Meditationen fit zu  machen, geht Nuad Sen über eine rein körperliche Syptombehandlung hinaus und betrachtet den Körper selbst als  Tempel, worin sich das Wesen der Existenz manifestieren darf.  Doch nicht nur der klassische Mönch in seiner Meditation, auch der moderne Zivilisationsbürger übt vornehmlich eine  sitzende Tätigkeit aus oder beansprucht seinen Körper andersweitig viel zu einseitig. Nuad Sen bietet einen gesunden  Gegenpol zu diesen Gewohnheits-haltungen und läßt den Körper flexibel, geschmeidig, reaktionsfreudig und  leistungswillig werden. Damit sind wir für die Belastungen des Alltags, aber natürlich auch für alles darüber  Hinausgehende, bestens vorbereitet. Eine solche Massage findet auf dem Boden statt, der Klient kann dabei locker bekleidet bleiben. Mit Daumen,  Handballen, Ellbogen, Knien und Füßen werden die Energielinien und Akupunkte gedrückt, gedehnt und so für einen  freien Fluß geöffnet. Dieses sog. "Yoga für Faule" wirkt sich positiv aus auf den Bewegungsapparat, den Blut- und  Lymphkreislauf, die Atmung, den Hormonhaushalt und das Vegetativum sowie die mentale und emotionale  Ausgewogenheit.       die Entstehung der Thai Yoga Massage ... mehr über die Sen     ... mehr über die Vorgehensweise Gebet und Ethik Der Weg des Nuad Die Wurzeln der Thai Yoga Massage finden sich im Indien des sechsten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. Es war  Gautama der Buddha selbst, der den Samen dazu setzte. Als Sucher nach Wahrheit hatte er längere Zeit in radikaler  Askese verbracht. Damit wollte er sich über die materielle Welt, einschließlich der Körperlichkeit des Menschen, erheben.  Später dann (nach seinem Erwachen) relativierte der Buddha diese strickten Entsagungen. Natürlich legte er weiterhin Wert  auf die "Nicht-Anhaftung" an irdische Güter, doch war er sich bewußt geworden, daß bestimmte Grundbedürfnisse im  gewissen Rahmen durchaus gedeckt sein sollten, wie z.B. ein Minimum an Nahrung, Kleidung oder Unterkunft. Vor allem aber  erkannte er, wie wichtig ein gesunder, leistungswilliger Körper ist als Grundlage für die spirituellen Praktiken eines Mönches.  Erst wenn dies gewährleistet ist, wird der Weg (der Energiefluß) frei für geistige Einsicht und Erleuchtung.  Sein Leibarzt Jivaka Kumarabhacca, der auch für die gesamte Mönchsgemeinschaft des Buddha verantwortlich war,  begnügte sich also nicht damit, lediglich Krankheiten und Beschwerden zu behandeln. Er arbeitete auch viel an der  körperlichen Fitness und Prophylaxe als Gegengewicht zu den ausgiebigen, im stillen Sitzen ausgeübten Vipassana-  Meditationen. Basierend auf den Ayurveda- und Yoga-Traditionen des Landes entwickelte er ein Übungsystem, mit dem sich  die Mönche auch selbst gegenseitig unterstützen konnten. Dies war die Geburtstunde der Yoga-Massage.  Mit der Ausbreitung des Buddhismus gelangte diese Lehre schließlich bis nach Thailand. Auf ihrem Weg dorthin unterlag sie  sicherlich diversen Einflüssen, wie denen der Chinesischen und Tibetischen Medizin aber auch der nativen Thailändischen  Gesundheitslehre, doch gilt dort Jivaka heute noch als der Begründer der Traditionellen Thai Yoga Massage und wird als  "Vater der Medizin" sehr verehrt. Allmählich scheint sich Nuad auch bei uns im Westen als ernstzunehmende Behandlungsform etablieren zu können. Lange  genug wurde es bestenfalls angesehen als exotischer Wellness-Artikel oder gar assoziiert mit einem Dienstleistungsgewerbe  ganz anderer Art. Auch in Deutschland häufen sich Anbieter und Ausbildungsstätten, die es sich zur Aufgabe gemacht  haben, diesen Therapieansatz in unseren Kulturkreis zu übertragen. Und gerade hier im Okzident tut der Mensch gut daran,  sich seinem Eingebundensein in die Multidimensionalität der Existenz wieder bewußt zu werden und zu einer entspannten  Geschmeidigkeit zurückzufinden. Mit seiner umfassend ganzheitlichen Sicht und liebevoll-meditativer Grundhaltung möchte  Nuad diesen Weg aufzeigen.  nach oben Die Wege der Energie Ähnlich den Meridianen der Chinesischen Medizin und den Nadis im alten Indien basiert die Traditionelle Thailändische  Massage auf der Behandlung von Energielinien, die unseren ganzen Körper durchziehen. Diese Energielinien fungieren als  Kanäle für das Prana, die universelle Lebenskraft. Ein gesunder Mensch benötigt einen freien, ungehinderten Fluß dieser  Energie. All das, was im Westen mit zahllosen Krankheitsdiagnosen tituliert wird, ist letztendlich immer nur die Folge einer  unausgewogenen Energie-Organisation.  Nuad spricht hier von zehn Hauptlinien, die als "Sen" bezeichnet werden. Jeder dieser Sen verläuft von der Nabelgegend zu  einem Ort am Körper, wo wir mit unser Umwelt in Kontakt bzw. Interaktion treten können. Das sind vor allen die  Sinnesorgane (Wahrnehmung), der Mund (Nahrung, Komunikation), Hände und Füße (Handeln) sowie die Öffnungen für  Ausscheidung und Sexualität.  Die zehn Sen sind:  1. Sen Kalathari - die Handlungslinie  entspringt direkt im Nabel und teilt sich in vier Zweige, zwei Beinlinien und zwei Armlinien.  Die Beinlinie verläuft über die Leiste zur Mitte der Beininnenseite und zieht hinter dem Innenknöchel auf der Sohle zur  Basis der Fußwurzelknochen. Dort teilt sie sich in fünf Strahlen und erreicht die Zehenspitzen.  Die Armlinie verläuft über Brustwarze und Schultergelenk zur Mitte der Arminnenseite und zieht bis zur Basis der  Handwurzelknochen.  Dort teilt sie sich in fünf Strahlen und erreicht die Fingerspitzen.  Mehr Informationen über den Sen Kalathari finden Sie unter Kalathari-Massage nach Sanzenbacher.  2. Sen Sumana - die Mundlinie  entspringt oberhalb des Nabels am Solar Plexus und verläuft als Mittellinie über Brustbein und Kehle bis zu zur  Zungenspitze.  3. Sen Ittha (li) / 4. Sen Pingkhala (re) - die Nasenlinien  entspringen knapp neben dem Nabel und verlaufen über die Leiste zur vorderen Oberschenkelinnenseite. Oberhalb des Knies  wechseln sie zur hinteren Oberschenkelaußenseite und ziehen quer über das Gesäß direkt entlang der Wirbelsäule (innere  Rückenlinie) und gerade weiter über Schädeldach und Stirn zur Nasenhöhle.  5. Sen Sahatsarangsi (li) / 6. Sen Thawari (re) - die Augenlinien  entspringen knapp unterhalb des Nabels und verlaufen über die Leiste und die vordere Beininnenseite bis hinter den  Innenknöchel, von wo sie quer über die Fußsohle hinter den Außenknöchel ziehen und über die vordere Beinaußenseite zur  Hüfte aufsteigen. Dort wechseln sie auf die Körpervorderseite und verlaufen über die Brustwarze und seitlich der Kehle bis  zum Auge.  7. Sen Lawusang (li) / 8. Sen Ulangka (re) - die Ohrlinien  entspringen zwischen Nabel und Solar Plexus und verlaufen über Brustwarze und Halsaußenseite bis zum Ohr.  9. Sen Nanthakrawat - die Ausscheidungslinie  entspringt am Nabel und verläuft als Sen Sikhini zum Ausgang des Harntraktes uns als Sen Sukhumang zum Anus.  10. Sen Khitchanna - die Genitallinie  entspringt am Nabel und verläuft bei der Frau als Sen Khitcha zur Vagina und beim Mann als Sen Pitakun zum Penis.  Natürlich können die Sen gemäß ihres jeweiligen Verlaufes für die Behandlung bestimmter Erkrankungen therapeutisch  genutzt werden. Doch steht im Nuad nicht die Symptombehandlung im Vordergrund, sondern die Harmonisierung des  Gesamtsystems. Dies ermöglicht dem Menschen, seinen Heilungsprozess aus eigener Kraft zu vollziehen.  nach oben Die Wege im Nuad Massage als Meditation Nuad ist weniger eine Körpertherapie als vielmehr eine Energiearbeit. Hauptansatzpunkt ist das  "Pranajama Kosha", der Energiekörper. Nach dem physischen ist er der zweite von insgesamt fünf Körpern, die im Yoga dem  Menschen zugeschrieben werden. In ihm zirkuliert die universelle Lebensenergie  (Prana) und er bildet das Bindeglied zwischen der stofflichen und der kosmischen  Natur der Menschen. Die Anatomie besteht hier aus diversen Energiezentren  (Chakras) und Energiekanälen (Sen). Über sie kann Einfluß genommen werden auf  Potential und Organisation des menschlichen Bio-Energie-Feldes.  Nuad bedient sich dabei Techniken wie Druckpunktstimulation (Akupressur), Ziehen,  Schieben und Freiklopfen des Energieflusses sowie die Dehnung der Sen. Für  Letzteres werden entweder einzelne Gliedmaßen oder auch der gesamte Körper  gestretcht. Diese passiv gehaltenen Dehnpositionen ähneln naturgemäß sehr den  Haltungen des Hatha-Yoga (Asanas).  Eine Nuad-Behandlung findet auf dem Boden statt (am locker bekleideten Klienten)  und geht gerne über eine reine Be-Hand-lung hinaus, da der Masseur neben  Fingern und Händen auch Ellbogen, Knie und Füße einsetzen kann. Dieses erdige  Setting ermöglicht ihm das optimale Einbeziehen seines Eigengewichtes um auch in einem entspannten und zentrierten  Zustand tiefgreifend zu arbeiten. trad. Nuad-Darstellung Es sind diese günstigen Hebelverhältnisse und Kraftvektoren, die  eine solche Behandlung so effizient machen. Etwa hinsichtlich der Mobilisation von Gelenken, Wirbelsäule und Brustkorb oder  einem Spannungsausgleich im myofaszialen und neurozirkulatorischen System kann  Nuad mit relativ wenig Aufwand Ergebnisse erzielen, die einer ausgibigen  Physiotherapie oder sanften Chiropraktik durchaus gleichkommen.  Komplexere Dehnungspositionen allerdings fordern schon mal den totalen  Körpereinsatz des Behandlers und kommen wiederum einer Yoga-Stunde für ihn  gleich. Oftmals entseht dadurch eine Art yogischer Paartanz, bei dem Behandler  und Behandelter gemeinsam einen Energiekreislauf bilden. Dadurch verdichtet sich  die Atmosphäre zusätzlich und setzt sich hinweg über die Grenzen von  Geben/Nehmen. Beide Beteiligten verschmelzen zu einer Einheit, die die Illusion  von jeglichen Getrenntseins in Raum und Zeit relativiert. Dies veranschaulicht  einmal mehr den spirituellen Aspekt von Nuad, daß wir nämlich letztendlich von  nichts getrennt sind und trotz unserer individuellen Körperlichkeit (bzw. gerade  durch sie) unsere all-eine kosmische Natur in uns tragen - oder besser: von ihr  getragen werden. Mehr Informationen über die Energiekörper (Koshas) finden Sie unter Kalathari-Massage nach Sanzenbacher.  nach oben Massage als spirituelle Praktik    “Bringe uns das Wissen aller Natur,     daß die wahre Medizin des Kosmos uns offenbart werde     durch dieses Gebet.” Traditionellerweise beginnt eine Nuad-Behandlung mit der Rezitation eines Gebetes. In ihm wird der Begründer dieser  altüberlieferten Massageform, der Inder Jivaka Kumarabhacca (bzw. Shivago Komarpaj, wie er in Thailand genannt wird)  angerufen. Jivaka versinnbildlicht die kosmische Dimension allen Heil-Seins, auf die sich Behandler und Behandelter  einstimmen. Geschieht die Massage in diesem Sinne, so wird sie selbst zu einem Gebet, einer spirituellen Praktik.     “Wir beten für den von uns Berührten,     möge er glücklich werden     und frei jeglichen Leidens.”  Die Geisteshaltung im Nuad ist geprägt von Achtsamkeit, Mitgefühl und dienender Liebe. Der Praktizierende sollte frei sein  von Konkurenzdenken, Eitelkeiten oder Streben nach materiellem Gewinn. Er partizipiert in einer langen Überlieferungslinie  und handelt mit Sorgfalt, Verantwortungs-bewußtsein und steter Bereitschaft, Wissen und Erfahrung zu mehren.     "Gewahre täglich die Ursprünge der Heil-Massage      und ihres Begründers Jivaka Kumarabhacca    und sei dir bewußt, daß du in seinem Geiste handelst."  © Prakash Frank Sanzenbacher  Foto: © Prakash (Seitengebäude des Wat Arun, Bangkok)  Artikel: "Jivaka Kumarabhacca und der Geist der Thai-Massage"  nach oben Startseite